Meitingen: Industrielle Abwärme im Quartier
Die Stadt Meitingen nimmt in Zusammenarbeit mit einem Industrieunternehmen ein kaltes Nahwärmenetz zur Versorgung eines direkt an das Werksgelände angrenzenden Neubaugebietes in Betrieb. Das neu geplante Quartier wird über ein Leitungsnetz mit Wärme versorgt.

Effektivität und Flexibilität
Die Abwärme wird über eine Rohrleitung zum Neubaugebiet geleitet. Dort wird die Wärme mittels Wärmepumpen auf das erforderliche Temperaturniveau angehoben. Die Wärmepumpen arbeiten aufgrund des ganzjährig hohen Temperaturniveaus der Abwärme sehr effektiv. Durch kleine Pufferspeicher nach der Wärmepumpe können die Wärmepumpen stromnetzflexibel betrieben werden. Regenerativer Strom zum Betrieb der Wärmepumpen kann genutzt werden, sobald dieser zur Verfügung steht. Die neu entstehenden Wohneinheiten werden somit zu einem wettbewerbsfähigen Preis mit Wärme versorgt, die keine zusätzlichen CO₂-Emissionen verursacht.
In den Hochtemperaturprozessen der beiden Unternehmen am Standort Meitingen kann es zu Temperaturen von bis zu 3.000°C kommen. Um die dabei erstellten Produkte wieder abzukühlen, wird Kühlwasser eingesetzt, das sich dabei auf etwa 30°C erwärmt. Dieses Kühlwasser wird nun über ein Rohrleitungssystem in das angrenzende Neubaugebiet geführt. Dort wird die Energie aus dem Kühlwasser genutzt, um über entsprechende Wärmepumpen Heißwasser und gegebenenfalls die zum Heizen der Wohnungen benötigte höhere Temperatur zu generieren.
Beim Vertragsabschluss Anfang Mai 2017 haben sich die SGL Group und Showa Denko freiwillig dazu bereit erklärt, das Kühlwasser für 20 Jahre kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Pro Stunde werden ca. 40 m3 Kühlwasser in die Nahwärmeleitung gespeist. Auf das Jahr gerechnet kann das bis zu 1,5 Mio. Kilowattstunden Energie ergeben – das entspricht der Heizleistung von etwa 150.000 Litern Heizöl. Anschließend wird das energieärmere, abgekühlte Wasser zum Werk zurückgeführt und wieder zur Kühlung genutzt – der Kreislauf beginnt von vorn.
Clou des Projektes:
- Der Industriebetrieb gibt die für ihn wertlos gewordene Abwärme kostenlos und langfristig (20 Jahre) ab. Dadurch entsteht erhebliche Planungssicherheit.
- Der Industriebetrieb liefert die Wärme nur nach Können und Vermögen, die Besicherung der Wärmeversorgung erfolgt durch den Betreiber des Wärmenetzes (Wohnbaugesellschaft Meitingen) mit einem Erdgaskessel in der Wärmeübergabestation.
- Der Industriebetrieb garantiert eine Belieferung über 20 Jahre und verpflichtet sich, bei einem Abbruch der Belieferung anteilige Mehrkosten zu übernehmen.
- Das Neubaugebiet garantiert die Abnahme der Abwärme und installiert außerhalb der Wärmeübergabestation keine Gasversorgung.
Haftungsausschluss:
Finanziert durch die Europäische Union – NextGenerationEU. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die des Autors/der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wieder. Weder die Europäische Union noch die Europäische Kommission können für sie verantwortlich gemacht werden.
Best Practice
Weitere Referenzen aus anderen Bereichen
Kontaktieren Sie uns unverbindlich








