Ganzheitliche Lösungen für die intelligente Wärmeversorgung

Ratiotherm hat kürzlich eine Neupositionierung in der Unternehmensausrichtung vollzogen, vom Komponenten- hin zum Systemhersteller. Können Sie uns den Hintergrund und die Gründe für diesen Paradigmenwechsel näher erläutern?

Frage 1:
Ratiotherm hat kürzlich eine Neupositionierung in der Unternehmensausrichtung vollzogen, vom Komponenten- hin zum Systemhersteller. Können Sie uns den Hintergrund und die Gründe für diesen Paradigmenwechsel näher erläutern?

Antwort: Wir sehen unsere Aufgabe in der Erstellung effizienter Systeme zur Wärme- und Energieversorgung. Um diesem Anspruch maximal gerecht zu werden, muss man dieses komplexe Thema auf jeden Fall ganzheitlich angehen. Dabei liegt es für uns nur nahe, das firmeneigene Portfolio stetig zu erweitern und sinnvolle Ergänzungsprodukte aufzunehmen. Durch die Neupositionierung wollten wir diese Kompetenz von ratiotherm noch klarer herausstellen.

Durch den Boom im Bereich Wärmepumpe haben wir ein regeneratives Heizsystem für uns entdeckt, das einer kleinen Manufaktur wie uns ein interessantes, neues Geschäftsfeld eröffnet. Denn viele große Hersteller sind nicht sehr flexibel, was die Produktkonfiguration betrifft – wir dagegen sind das sehr wohl und besetzen diese Nische mit Sonderlösungen, OEM-Produkten und Entwicklungsdienstleistungen.

Frage 2:
Als eine der Kernkompetenzen von ratiotherm gelten die Konzeption und Umsetzung sogenannter kalter Nahwärmenetze in Verbindung mit Sektorenkopplung. Was erklärt die steigende Aufmerksamkeit für diese neuartige Technologie?

Antwort: In den letzten Jahren konnte man beobachten, wie durch zunehmenden Druck aus der Bevölkerung und der Industrie die Energie- und Wärmewende und damit auch die Sektorenkopplung politisch immer mehr Gewicht bekommen hat. Zusätzlich gibt es zahlreiche Förderprogramme, welche diese Art der Wärmeversorgung zusätzlich unterstützt und die Thematik in die Köpfe von Entscheidern bringt.

Außerdem spielen stetig steigende Dämmstandards, die zu erheblich verringertem Energieverbrauch führen, der Technologie der kalten Nahwärmenetze in die Karten. Vielerorts weigern sich mittlerweile die Versorger, Erdgasleitungen in Neubaugebiete zu legen, da die geringen Abnahmemengen keine Rentabilität mehr versprechen. Ein kaltes Nahwärmenetz kann die benötigten Energiemengen effizient und nachhaltig zur Verfügung stellen. Ratiotherm hat sich hier ein Patent gesichert, das uns erlaubt, Wärmepumpen mit höheren Quelltemperaturen zu beaufschlagen. Daraus folgt ein höherer Wärmetransport bei gleichzeitig niedrigen Verlusten.

Frage 3:
Welche Bedeutung hat der kommunale Wohnungsbau für ratiotherm und wie sehen hier konkrete Lösungen für die Wärmeversorgung aus?

Antwort: Wir bemerken definitiv ein stark steigendes Interesse an zentralen Versorgungslösungen für ganze Wohngebiete seitens Kommunen und Stadtwerken. Wärmepumpen bieten hier die Möglichkeit, grünen Strom für Heizzwecke nutzbar zu machen, was wiederum auch ein kaltes Nahwärmenetz interessant macht. Unser Ansatz geht hier aber noch einen Schritt weiter: Wir fahren Nahwärmenetze mit gleitender Vorlauftemperatur, also in Abhängigkeit der Außentemperatur, oder kalt/warm mit Umschaltung im Wechsel der Jahreszeiten. So lassen sich Solarthermie und andere Wärmeerzeuger perfekt in den Kreislauf integrieren. Stichwort Sektorenkopplung: Ideal lässt sich ein solches Netz durch ein Kundennetz – also ein dezentrales, eigenes Stromnetz für das Wohngebiet – ergänzen.

Frage 4:
Viele Produkte von ratiotherm nutzen die Energie der Sonne, sowohl zur Wärme- als auch Stromproduktion. Was ist Ihrer Meinung nach nötig, um den stagnierenden Solarthermie-Markt mit neuem Leben zu füllen?

Antwort: Die Technologie der kalten Nahwärme lässt die Integration von Solarthermie zu und verhilft dieser Technik damit zu neuem Schwung. Eine solare Volldeckung von kalten Netzen von April bis September ist keine Seltenheit. Eine Ergänzung durch Photovoltaik macht die Synergien für die Wärmepumpe sogar noch lukrativer.

Frage 5:
Der ratiotherm Firmensitz im oberbayrischen Dollnstein besitzt auch eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Was ist hier die Aufgaben- und Zieldefinition? Können Sie uns vielleicht verraten, an was dort aktuell geforscht wird?

Antwort: Im Bereich Wärmepumpe arbeiten wir an einer Effizienzsteigerung durch den Einsatz der richtigen Kältemittel. Aber ebenso wird an Heizungsbauer-freundlicheren Produkte gearbeitet, um dem Fachhandwerker eine Wartung der Anlage zu ermöglichen, ohne dass dieser eine Ausbildung zum Kältetechniker benötigt. Eine weiterer Forschungsbereich ist die sinnvolle Kombination von Hybridkollektoren – Solarthermie und Photovoltaik – mit unseren Hochtemperatur Wärmepumpen HiQ. Auch die Entwicklung eines Hybridkollektors mit erhöhtem thermischen Ertrag steht auf unserer Liste. Im Bereich Schichtspeicher schließlich wollen wir eine vereinfachte Montage aller Anbaugruppen, Stichwort Plug&Play, ermöglichen und den Platzbedarf weiter optimieren.

Frage 6:
Der ratiotherm Slogan „Smart Energy Systems“ fasst die breite Palette an Leistungen und Produkten von ratiotherm prägnant zusammen. Was genau macht für Sie eine smarte Energieversorgung aus?

Antwort: Ganz oben steht für mich auf jeden Fall die Maximierung des Anteils an erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Minimierung der fossilen Energieträger. Dazu kommt eine intelligente Vernetzung von kleinen und großen Erzeugungsanlagen bzw. Verbrauchern zu einem großen Ganzen. Dabei muss der Fokus stets darauf liegen, das Optimum an Komfort und Effizienz zu erwirtschaften. Zu guter Letzt kann ich nur noch einmal die Wichtigkeit des Themas Sektorenkopplung unterstreichen.

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